Wenn die Frage aufkommt, was uns Menschen von Tieren entscheidet und zur herrschenden Rasse macht, so lauten die Antworten kausales Denkvermögen, Emotionen, Moral, Selbstreflexion. Diese Fähigkeiten haben alle den gleichen Ursprung: unser Gehirn. Es ist der Motor, der uns rund um die Uhr steuert und uns im Grunde zu dem macht, was wir sind. Das Hirn ist zu den außergewöhnlichsten Dingen fähig. Es kann sich über Jahrzehnte Dinge merken, es kann sie ebenso verdrängen, es kann die genialsten Gedankengänge hervorbringen. Es wird bewundert und gelobt. Ein solches Organ kann nur gut dastehen. Oder?

Was so hoch geachtet wird, ist in erster Linie alles andere als rege und produktiv. Das Gehirn ist zunächst denkfaul und träge. Es ist ein Gewohnheitstier. Am liebsten orientiert es sich an Mustern, was das Leben ungemein vereinfacht. Altbekanntes ist vertraut, wir kennen es, wir müssen uns keine großen Gedanken darum machen, wir wissen damit umzugehen. Das nennt man auch reproduzierendes Denken. Evolutionsbedingt fällt es uns zunächst schwer, umzudenken und neue Wege zu finden. Zu Kreativität müssen wir uns zwingen. Unseren Vorfahren hat dieses Denkverhalten oft das Überleben gesichert. Wenn der Jäger im hohen Gras ein Tier rascheln hörte, konnte das schließlich gefährlich sein und es galt zu fliehen. In ungewissen Momenten von Gefahr auszugehen vermied brenzlige Zusammenstöße.

All unsere gemachten Erfahrungen speichern wir also und nutzen sie für neue Situationen. Das ist sicher, aber nicht gerade kreativ. Gerade in der Arbeitswelt kann das oft hinderlich sein. Neue Lösungsansätze zu finden fällt uns schwer. Hierfür braucht unser faules Gehirn einen Tritt. Dieser ist ein Reiz von außen, der unsere Gedanken in Schwung bringt. Ein unbewusster Reiz führt zu einem Geistesblitz, doch da wir uns auf solche nicht verlassen können, brauchen wir gezielte Provokation. So können wir unser Hirn zu der Höchstform motivieren, die wir so gerne von Vornherein mit ihm verbinden.

Wie wir es trotzdem anspornen können

Kreativität ist der Treibstoff, der ein Unternehmen voranbringt und es nicht in festgefahrenen Mustern feststecken lässt. Das ist besonders wichtig bei Ansätzen, die eindeutig verbesserungswürdig sind. Wenn etwas zum gegebenen Zeitpunkt einwandfrei funktioniert, muss es natürlich nicht zwangsläufig andauernd überarbeitet werden. Dennoch schadet es nie zu versuchen, aus dem begrenzten Erfahrungsbereich im Hirn auszubrechen. Lösungsansätze und Ideen werden ansonsten immer den gleichen Ursprung haben und früher oder später im Kreis laufen. Der bekannte Spruch “Thinking Outside the Box” ist also wörtlich zu nehmen.

Unser Gehirn hat die Neigung, nach der ersten gefundenen Lösung nicht mehr weiterzudenken. Wir haben ja schließlich, was wir wollen: eine Herangehensweise an eine Aufgabe, die funktioniert. Daher fällt es uns im Anschluss schwerer, alternative Methoden zu entwickeln. Das ist aber der Knackpunkt. Kreativität bedeutet, in diesem Moment seine Gedanken weiter zu verfolgen oder eine Aufgabenstellung oder ein Problem von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten. Auch wenn verschiedene Wege mehr Arbeit für das Hirn bedeuten, schließlich muss es dann erst auswählen, welcher denn nun wirklich der beste ist. Trotzdem lohnt es sich.

 

Um Kreativität zu steigern gibt es die verschiedensten Ansätze, die auch in ihrem Aufwand variieren. Vom klassischen Brainstorming und Mindmapping bis hin zu zeitintensiveren Techniken wie die 6-3-5 Methode. Bei dieser Ideenfindung erhalten sechs Personen jeweils ein Blatt Papier, das in drei Spalten und sechs Zeilen eingeteilt ist. Zur gegebenen Fragestellung notiert jeder auf dem jeweiligen Papier drei Gedanken in der ersten Zeile. Nach einer festgelegten Zeit werden alle Blätter gleichzeitig weitergegeben und die Ideen des Vorgängers oder der Vorgängerin können ergänzt werden. Am Ende können so über hundert neue Ideen entstehen, die zur Lösung der Aufgabe beitragen.

Jeder von uns kann mit der passenden Methode lernen, aus Mustern auszubrechen und bewusst andere Gedankengänge provozieren. Querdenken lässt sich also trainieren.